Klirrende Kälte herrschte am vergangenen Sonntag, als wir früh morgens den Heizlüfter im Pintli entwendet haben, mit dem Ziel, im Hangar dem Motorblock der HB-KGS etwas Wärme einzuhauchen. Vielleicht nur semi-effizient und vom Equipment her sicherlich nicht Lehrbuchkonform – gewirkt hat es aber trotzdem. (Wir entschuldigen uns bei Som für das unterkühlte Pintli infolge fehlendem Heizlüfter.)

Die Routenwahl lies wetterbedingt endlich wieder Destinationen jenseits des Juras zu, was es natürlich zu nutzen galt, insbesondere wenn sich fast die ganze Schweiz bedeckt von Schnee und Eis präsentiert.

Während Teile des Mittellands noch vom Nebel bedeckt waren, bot sich eine Möglichkeit via Downtown Zürich in Richtung Osten zu fliegen und die Glarner-Alpen zu durchqueren. Vorbei am zugefrorenen Sihlsee, Wägitaler- und Klöntalersee überquerten wir den Segnespass (wesentlich höher als die Ju-Air) mit Zwischenziel für Crew-Change: Bad Ragaz (LSZE).

Mit lediglich 495x11m ist Bad Ragaz wohl eine der kürzesten und schmälsten Runways der Schweiz. Damit aber nicht genug, denn im Final steht noch ein Haus auf einem Hügel. Für die sich in LFSB angewöhnte „Nonchalance“ beim Anflug ist da wortwörtlich kein Platz vorhanden. Als ob das nicht schon genug wäre, erwartete uns in der Base regelrechter Tailwind, welcher dann beim Eindrehen in den Final kurzerhand auf Headwind drehte, natürlich begleitet von entsprechenden Böen und als Folge davon die Geschwindigkeit zu hoch. Mit den Fowler-Flaps der HB-CFN wäre das vielleicht noch korrigierbar, chancenlos aber mit den Flaps der HB-KGS. Das Resultat: Go-Around zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten, allerdings mit Verbesserungen in der Flugtaktik bis es schliesslich beim vierten Versuch nahezu perfekt gepasst hat.

Verschnaufen und Beine vertreten war angesagt. Beim C-Büro wurden wir kurzerhand abgefangen: „Bist du der Pilot der roten Robin?“ – jeder Pilot zuckt bei dieser Frage wohl regelrecht zusammen. Was kommt jetzt? Doch keine PPR-Erlaubnis gehabt? Falsch geflogen? Falsch parkiert?

Der Hobbypilot und Fotograf namens Mario hatte aber nicht vor uns einen „ZS“ zu geben, vielmehr überraschte er uns mit einer Rarität: Unsere HB-KGS im Anflug, aufgenommen mit einem Objektiv der Kamera GOMZ Fotokor 1 aus dem Jahre 1932. Das Bild mit einzigartiger Ausstrahlung verleiht selbst unserer Robin mit Baujahr 2019 einen hauch Nostalgie:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Fotokor 1 wurde in der ehemaligen Sowjetunion hergestellt und Mario hat das Objektiv nun an eine moderne Olympus OM-D E-M10 III Digitalkamera angeschlossen. Auf einen Bildstabilisator musste er wohl verzichten, und wir vermuten, dass auch der Fokus manuell eingestellt wurde. Er war damit also ebenso beschäftigt, wie wir bei unserem Anflug. Zum Glück gaben wir ihm ganze 4 Versuche für das perfekte Bild.


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