Nach einer erfolgreich bestandenen IFR-Prüfung unseres Mitglieds Stefan im Herbst 2021, sollte es für ihn nun endlich zu einem weiter entfernten Ziel gehen. Im folgenden Reisebericht lässt er uns daran teilhaben.

Geplant war ein Urlaub in Süditalien, genauer gesagt Apulien. Aufgrund der Wetterlage (kühlere Temperaturen als in der Heimat), entschieden wir uns, zunächst mit einem zweitägigen Aufenthalt in Venedig zu beginnen. Danach wollten wir nach Apulien weiterfliegen. Zwei Tage vor unserem Start schauten wir uns noch einmal genauer an, wie die aktuellen Einreise- und Aufenthaltsvorgaben bezüglich COVID-19 in Italien sind. Diese machten uns tatsächlich in fast letzter Minute einen Strich durch die Rechnung: für die Einreise reichte ein maximal 9 Monate altes Covid-Zertifikat Für den Aufenthalt in Italien selbst allerdings wurde ein höchstens 6 Monate altes Zertifikat akzeptiert. Diese Anforderungen erfüllten wir nicht mehr, also gab es eine spontane Änderung unserer Ferien 😊. Da uns schon lange die Normandie reizte, fassten wir „Le Havre“ als Ziel ins Auge. Und ich fing an, eine neue IFR- Reiseroute zu planen – eine sehr gute Übung!

Leg 1: Basel (LFSB) nach Le Havre (LFOH)

Geplantes Routing Basel - Le Havre (382 NM):
LFSB - LUMEL - HR - RLP - VFR BILGO - IFR DPE - LFOH

Am Freitag, den 18. März sollte es also endlich losgehen. Von der Schweiz aus hatten wir in Le Havre einen Mietwagen organisiert, um vor Ort mobil zu sein. Hotelreservierungen machen wir immer sehr spontan, meistens erst nach der Landung vor Ort.
Bei super Wetter und Sonnenschein ging es dann gegen 09.30 Uhr los Richtung Flughafen Basel-Mulhouse. Wie die Prognosen bereits voraussagten, herrschten perfekte VFR- Bedingungen. Aber wer fliegt schon VFR, wenn er seit kurzem die IFR-Lizenz besitzt?!
Auf dem Weg zum Flughafen erhielten wir leider die Nachricht, dass wir für den IFR-Flug erst um 13.30 Uhr einen Slot für den Start erhalten sollten. Das war so nicht geplant, der Mietwagen musste schliesslich bis spätestens 17.00 Uhr abgeholt werden. Auch wollten wir spätestens am Nachmittag in Le Havre sein. Somit stellte ich mich quasi der ersten grösseren Herausforderung und plante vor dem Abflug noch einmal die Flugroute um: Start mit Y- Flugplan. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, die Lufträume um Paris herum mit VFR zu durchfliegen und den dazugehörenden Slot auf diesem Weg zu umgehen.

Nach einem Flug von dreieinhalb Stunden erreichten wir dann Le Havre. Mit einem Taxi liessen wir uns dann in Richtung Stadt transportieren, um den Mietwagen entgegen zu nehmen. Im Taxi selbst schauten wir noch schnell nach Hotels und buchten dann von unterwegs ein Zimmer für die nächsten vier Nächte . Die heutige Technik ist für uns einfach ein Segen 😊.

Sehr zufrieden mit meinem ersten erfolgreichen IFR Strecken-Flug, fielen wir am Abend dann erschöpft ins Bett. Für den nächsten Tag stand für uns der Besuch der Klippen von Etretat auf dem Programm:

An den darauffolgenden beiden Tagen besichtigten wir den Strand „Omaha Beach“, den Landungsstrand der Alliierten im 2. Weltkrieg und das Kloster „Mont Saint Michel“, welches über zweieinhalb Stunden mit dem Auto von Le Havre entfernt zu erreichen ist. Die Fahrt hat sich gelohnt.


Leg 2: Le Havre (LFOH) nach Ile D’Yeu (LFEY)

Geplantes Routing Le Havre - Ile D'Yeu (215 nm):
LFOH - ETRAT/N0115F080 - IFR TURDU - GILRA - SAMPO - RINSO/N0117F050 - TERPO - LFEY 

Am Dienstag, den 22.03.2022 verliessen wir die Normandie und flogen weiter zu unserem nächsten Ferienziel für die letzten zwei Tage. Ein kurzer Abstecher zu den Klippen von Etretat musste natürlich noch sein, um das Ganze auch noch mal aus der Luft zu sehen. Somit haben wir den Z-Flugplan auch gleich ausprobiert. 😉

Danach ging es dann per IFR weiter zur Insel „Ile d’Yeu“. Unsere Unterkunft – eine gemütliche Ferienwohnung – buchten wir wieder sehr kurzfristig. Der rüstige, etwa 75-jährige Vermieter Claude hatte Freude an unserer Art zu reisen und holte uns persönlich mit seinem 20 Jahre alten Renault Twingo am Flugplatz ab.
Die Erkundungstour der Insel machten wir am nächsten Tag. Wir mieteten uns zwei Elektro-Fahrräder und machten eine komplette Rundtour um die Insel. Nur das Schloss, was wir auf Fotos gesehen haben, konnten wir nicht finden.


Leg 3: La Rochelle (LFBH) nach Basel-Mulhouse (LFSB)

Geplantes Routing La Rochelle - Basel-Mulhouse (428 NM):
LFBH - LUSON - BETOB - POI - BALAN - RISUN - RLP - LUL - ARPUS - LFSB

Am Donnerstag ging unser Urlaub leider schon zu Ende. Nach einem ausgiebigen (und sehr leckeren) Frühstück, fuhr uns unser Vermieter Claude wieder zum Flugplatz. Eigentlich wollten wir schon während unserer Fahrradtour die Parkgebühren und Landetaxe bezahlen, doch die Öffnungszeiten des C-Büros spielten bei unserem Plan nicht mit. Auch darauf muss man sich auf der kleinen Insel einstellen und etwas Flexibilität mitbringen. Vor unserem Abflug konnten wir erfolgreich das Finanzielle regeln, nur Avgas gibt es dort nicht. Also plante ich einen Hüpfer von ca. 45 Minuten nach „La Rochelle“, um dort zu tanken und auch eine Kleinigkeit zu essen.
Beim Start konnten wir aus der Luft doch noch die Ruine vom Schloss sehen, welche wir bei unserer Fahrradtour blöderweise ausgelassen haben. Von Claude erfuhren wir, dass niemand weiss, wann, von wem und aus welchem Grund das Schloss gebaut wurde.

Zum Abschluss noch ein paar letzte Eindrücke von unserem IFR-Flug zurück nach Basel-Mulhouse (wieder bei bestem VFR Wetter):


Fazit

Unser Fazit für diese Reise: Sehr sehenswert, abwechslungsreich und beeindruckend. Das nächste Mal bleiben wir länger, um noch mehr anzuschauen!


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.